Fragen und Antworten

Die Fragen wurden gestellt von campusradio-jena.de

1. Wer steckt hinter der "Jena autofrei" Aktion? Wie groß ist das Team? Seid ihr ausschließlich aus Jena?

Wir sind eine Kleingruppe von Klimaaktivistis, die für eine klimagerechte Veränderung, einen Wandel in den politischen Entscheidungen in jena und weltweit kämpfen. Die das "nicht Handeln" nicht mehr ertragen kann.
Keine Namen. Keine Strukturen. Genaueres können wir dazu leider nicht sagen, wir haben Bedenken, dass weitere Aussagen strafrechtlich relevant .

2. Was war der genaue Auslöser für eure Ad-Busting Aktion?

wir sind davon genervt, wie wenig die Stadtrat in Sachen Klimaschutz macht. Deutschland hat das Paris-Abkommen unterschrieben und spätestens seitdem muss allen klar werden, dass JETZT gehandelt werden muss. Jena hat 2019 sogar den Klimanotstand ausgerufen. Aber trotzdem herrscht ein "weiter wie bisher" in den Handlungen der Politik. Sowohl weltweit, in Deutschland und auch in ena. Der Verkehrssektor hat einen großen Anteil an den Gesamtemmissionen, wir brauchen eine Wende weg vom Individualverkehr, hin zu einem besseren ÖPNV, zu besseren Radwegen. Wir brauchen eine echte Veränderung. Global und lokal. Doch statt einen Wandel anzuleiten hat sich Herr Dr. Nietzsche dafür entschlossen, lieber Verkehrsprojekte der Vergangenheit weiter zu verfolgen. Millionengräber wie die Osttangente und die Untertunnelung des Inselplatzes werden umgesetzt. Projekte, die bei einem deutlich niedrigeren Individualverkehrsaufkommen komplett überflüssig sind. Projekte, die schon bald Überflüssig sein MÜSSEN.
Und genau das macht uns unglaublich wütend. Seit Jahren zeigen wir und viele andere Gruppen unser Gesicht in großen und kleinen Aktionen. Wir protestierern regelmäßig auf den Straßen und machen uns für eine Verkehrswende stark. Wir waren einmal ein paar Tausend, oft waren wir 200, 300 Leute. Manchmal auch nur ganz wenige. Aber wir waren immer mit unserern Themen präsent. Wir waren bei Critical Mass, auf Klimastreiks und Klimademos, bei den Treffen des runden Tisch für Klima und Umwelt, der Vorschläge für ein zukünftiges Jena ausarbeitet, und nicht zuletzt waren wir beim Parking Day im letzten Sommer, bei dem wir die autofreie Innenstadt für einen Tag ausriefen. Manche von uns haben bei diesen Aktionen auch mitgeplant, waren voller Hoffnung, etwas verändern zu können. Aber unsere Anliegen, die Anliegen einer Generation, die von den Klimaveränderungen am meisten getroffen ist, werden nicht ersnt genommen. Uns schien es, als würden die Entscheidungsträger geziehlt "wegschauen" und den Elefanten im Raum, die großen Demos und die vielen Leute, die sich Veränderung wünschen, nicht sehen WOLLEN.

3. Wie entstand die Idee und welches Ziel verfolgt ihr?

Unsere Idee war es eine Aktion zu starten, die überall ist, die von allen gesehen wird. Auch von Leuten außerhalb der Klimabubble. Die provokativ ist. Über die geredet wird, und nicht über die Aktionsform, sondern auch über unser Anliegen. Eine Aktion, auf die auch die Politiker*innen reagieren müssen. Und bei dessen Umsetzung die Kontaktbeschränkungen gegen die Ausbreitung der Pandemie eingehalten werden. Und mit einem Blick auf die Kommentare auf diversen Social-Media Plattformen ist es uns gelungen das Thema Verkehrswende in die Öffentlichkeit zu bringen.
Die Idee kam auf, als wir Herrn Nietzsche auf einem Fahrrad auf einem Pressebild sahen. Uns kam es ironisch vor, und wie ein erneuter Fall von Greenwashing, dass der Bürgermeister, der den Individualverkehr weiter stärkt, der den Wanel blockiert, sich ausgerechnet auf einem Rad ablichten lässt. Aber bis aus einer Schnapsidee zu einer späten Stunde tatsächlich eine Aktionsidee, ein Plan und eine Umsetzung wurde, dauerte es lange.

4. Auf welchem Weg kamen die Plakate in die Schaufenster der S-Bahn Stationen?

Wir wollen hier ja nicht zu Straftaten aufrufen ;-) Aber eigentlich ist es ziemlich einfach, das kann jede*r von euch! Das Werkzeug zum Öffnen gibt es für 4 € im Baumarkt und die Anleitungen zur Durchführung finden sich auf Youtube oder Indymedia. Also nehmt die VerkehrswÄnde selbst in die Hand!

5. Laut Medienberichten bezeichnete der OB die Aktion als "witzig" und verzichtetet auf Gegenmaßnahmen. Wie steht ihr dazu?

Die Aussage "witzig" zeigt, dass unser Oberbürgermeister den Ernst der Klimakrise und seine Handlungsmöglichkeiten bei weitem nicht versteht. Wir würden uns eine echte und Inhaltliche Antwort von ihm wünschen, in der er uns erklärt, wie er mit seiner derzeitigen Politik das Parisabkommen einhalten kann. Wie es auch für zukünftige Generationen eine lebenswerte Welt geben kann, für alle und weltweit. Auch wenn die Klimaveränderungen hier in Deutschland noch kaum zu spüren sind, und mensch daher sehr leicht wegschauen kann. Wenn es zu Anzeigen und Repressionen kommen sollte, dann stehen wir dazu. Wir sind bereit, die Konsequenzen für unsere Aktion auf uns zu nehmen, nicht aber die Vorwürfe in einigen Jahren, warum wir denn nichts gegen die Klimakatastrophe unternommen haben.

6. Sind weitere Aktionen in dieser Form geplant?

Was heißt "in dieser Form"? In einem nächsten Schritt wollen wir auf das Gesprächsangebot von Herrn Dr. Nietzsche eingehen. Dabei wollen wir Menschen aus Jena Raum geben, die sich mit dem Thema Verkehrswende und autofreier Innenstadt in Jena schon seit Jahren beschäftigen. Menschen mit einem größeren Wissen als wir. Unser Ziel ist es, eine Diskussion anzustoßen und diese live auf Youtube zu streamen. Also bleibt informiert! Außerdem wollen wir, zur Finanzierung von zukünftigen Aktionen, die letzten Plakate (Din-A2) öffentlich versteigern! Mit orginal Unterschrift von Nitzsche! Also bleibt informiert, es lohnt sich! Unsere Social-Media Kanälen sind: insta:  jenalichtstadt.autofrei: Twitter @Jena_autofreiIn den nächsten Tagen wird dort auch noch ein Aktionsvideo erscheinen...